Unten 230 Kavernen und oben 10 Gasverdichter? 04.2010
Bürger aus Etzel, Marx und Horsten machen mobil
Neuenburg/Etzel. Über 30 am Ende reichlich geschockte Gäste informierten sich jüngst auf einer Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen im Vorburger Hof – dort referierten Franz Kreutzburg und Jürgen Vogel von der „Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten–Etzel-Marx“ detailliert über ein gigantisches Industrie-Projekt mit all seinen Folgen, das direkt vor den Toren Zetels in Ostfriesland seinen Lauf nimmt: Die Erweiterung der Kavernenanlagen in Etzel. „Zusätzlich zu den rund 40 Kavernen in den Salzstöcken unter Etzel, die bereits in Betrieb sind, liegt dem Betreiber IGV Caverns jetzt die Genehmigung für zusätzliche 144 Kavernen zur Gaslagerung vor, und am Ende sollen es 234 sein – unsere ganze Region wird durchlöchert wie ein Schweizer Käse“, veranschaulichten die Referenten.
Seit Franz Kreutzburg aus Horsten im vergangenen Dezember zufällig über eine amtliche Bekanntmachung von dem Vorhaben Kenntnis bekam, sich genauer informierte und mobil machte, haben sich der Bürgerinitiative über 300 Leute angeschlossen. Inzwischen ist ein Verein gegründet und ein Anwalt engagiert. Denn die Kavernen an sich sind nicht das einzige Problem: „Es müssen für den Betrieb der Kavernen gigantische Gasverdichter gebaut werden – für 30 Kavernen jeweils einer mit einer Leistung von je 51 Megawatt. Die brummen Tag und Nacht und sind beleuchtet. Das Umspannwerk dafür steht bereits.“
Durch die Bautätigkeiten ist die Lebensqualität rund um das wachsende Betriebsgelände schon jetzt schwer eingeschränkt: “Während der Bauzeit, die sich über Jahre bis Jahrzehnte hinzieht, müssen 180.000 Kubikmeter Erde ausgetauscht werden – die LKWs fahren schon jetzt im Drei-Minuten-Takt“, so Franz Kreutzberg. Die ökologischen Folgen seien nicht abzusehen, eine Weiterentwicklung der Dörfer unmöglich: „Hier geht es schon längst nicht mehr um die Grundsicherung der Gasvorräte in Deutschland, sondern um Milliarden-Geschäfte. Jeder der hier sein Land für das Projekt verkauft hat, gliedert sich in die Reihe der Totengräber für nachfolgende Generationen ein.“
Wer über die Aktivitäten der Bürgerinitiative informiert sein möchte, schickt einfach eine leere E-Mail an franz(at)kreutzburg.de und wird in den Verteiler aufgenommen. (jf)
aus: Friebo Nr. 15/2010
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