Straßenbeleuchtung in Varel, Anmerkungen von Dirk von Polenz, 10/09
„Lichter der Großstadt” heißt ein Film von Charlie Chaplin, “I want to wake up in a City that never sleeps“, sang Frank Sinatra. Und natürlich möchte Sinatra nicht im Dunkeln aufwachen. Es sei ihm gegönnt. Aber durch Einschalten der Straßenbeleuchtung allein wird aus Varel nicht New York.
Ist es denn so schlimm, wenn es nachts dunkel ist? Wir reden schließlich nur von der Zeit nach Mitternacht. Von 17 bis 24 Uhr bekommen wir doch unsere Straßenbeleuchtung! Als wenn eine Einsparung von 50 000 Euro nicht schon Argument genug wäre! Dass damit auch jährlich mehrere hundert Tonnen CO2 eingespart werden, scheint in Varel ebenfalls niemanden zu interessieren. Wir haben ja ein Atomkraftwerk in der Nähe!
Einen weiteren Gesichtspunkt kann man im „Spiegel“ finden, nicht aber im „Gemeinnützigen“, den „Lichtsmog“, die immerwährende Resthelligkeit. In Städten leiden viele Einwohner unter Schlafproblemen durch zu helle Umgebung. Das Kunstlicht greift in den Hormonhaushalt ein. Dass das sogar die Krebswahrscheinlichkeit ansteigen lässt, ist kaum bekannt. Auch die Tierwelt wird durch den fehlenden Hell-Dunkel-Wechsel nachhaltig irritiert.
Neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Mensch und Tier ist noch ein anderer Aspekt von Bedeutung. Welcher Städter weiß schon, ob gerade Vollmond oder Halbmond ist? Wer kennt noch Sternzeichen oder Planeten? Woher denn auch? Der Himmel ist nicht schwarz sondern gelblich grau. Kein Stern ist zu sehen, auch bei wolkenloser Nacht nicht. In Varel bietet sich neuerdings die Möglichkeit, nach Mitternacht die Sterne zu betrachten. Auch für die Gäste aus der Lichtsmog-Hochburg Nordrhein-Westfalen, die in Dangast in den Himmel schauen. Das könnte genau die Zielgruppe sein. Die Dunkelheit könnte als Vorteil vermarktet werden. Andere Tourismusgebiete werben schon lange damit, Hobbyastronomen gute Sicht zu bieten. Aber in Varel wird natürlich ohne jeden Beweis behauptet, die Übernachtungszahlen würden durch das Lichtabschalten zurückgehen.
Hauptsache unsere Gäste schauen nicht nach Wilhelmshaven, denn dort strahlen die Lichter der Großstadt, während die Kohlekraftwerke unter kräftigem CO2-Ausstoß den Strom für Varels Straßenbeleuchtung produzieren.




