Grüner Kreisverband feiert 30-Jähriges / Bundesvorsitzende sprach


JEVER/JS – Nicht eine Ideologie, sondern Werte wie Ökologie, Gerechtigkeit und Demokratie haben die Grünen so erfolgreich gemacht. Das sagte Claudia Roth gestern im Steinsaal des jeverschen Schlosses anlässlich der Feier zum 30-jährigen Bestehen des friesländischen Grünen-Kreisverbands.
In einer engagierten Rede wandte sich die Bundesvorsitzende gegen den Einsatz von Gentechnik und warb vehement für ein stärkeres Engagement gegen Artensterben und Klimawandel. Die Grünen, so Roth, müssten ihren Weg künftig „noch lauter und konsequenter gehen“.
Die Bundestagsabgeordnete nutzte die Gelegenheit und kritisierte die Nominierung von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff  für das Bundespräsidenten-Amt. Diese Entscheidung hat Deutschland ihrer Meinung nach in eine „tiefe institutionelle Krise“ gestürzt. Nach Ansicht von Roth braucht das Land einen Bundespräsidenten, der parteiübergreifend für alle Menschen eintritt und eine Wertebindung schaff. Angesichts ähnlich lautender Kritik sogar aus christlich-liberalen Reihen sieht sie noch Chancen, dass der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, in das Amt gewählt wird.
Roth ehrte bei dem Festakt fünf Grüne, die von Anbeginn der Parteigründung vor 30 Jahren mit dabei sind. In Spielszenen ließen drei der Geehrten noch einmal die Geschichte des Grünen-Kreisverbands kurz Revue passieren.

 


Forderte die Grünen auf, ihren Weg „noch lauter und konsequenter“ zu gehen: Claudia Roth. FOTO: STUTZ


JEVER/JS – Sabine Glaum kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als im Fernsehen gerne strickende Grünen-Abgeordnete gezeigt wurde. Dass die Jeveranerin gestern „Strickzeug“ zur Jubiläumsfeier der friesländischen Grünen mit ins Schloss brachte, war also kein Zufall. Die Handarbeitsutensilien waren Bestandteil mehrerer Spielszenen, in denen drei Gründungsmitglieder an die teils bewegte Geschichte der Ökopaxe in Friesland erinnerten – und das, obwohl Sabine Glaum nach eigenen Angaben „gar nicht so gut im Stricken“ war.

Die jeversche Ratsfrau und langjährige Kreistagsabgeordnete erlebte die Anfänge der Grünen sowohl auf Kreis- als auch auf Bundesebene zusammen mit ihrem Mann Reinhold mit. Der Jeveraner war auch Teilnehmer des Gründungskongresses der Bundespartei vor gut 30 Jahren. „Ich freue mich, diese Sternstunde miterlebt zu haben“, so der Grüne gestern.

Ingrid Donk hatte nicht nur ihr „Bundestagswahlkampffahrrad“ sondern auch ihren „Lavendel-Mantel“ mit zu dem Festakt gebracht. Das Kleidungsstück, so die langjährige Ratsfrau, sei vor gut 20 Jahren ein „Frustkauf“ nach einer Sitzung gewesen, bei der sie sich mal wieder besonders über den politischen Gegner geärgert hatte. Doch die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien hat sich nach Ansicht von Donk gelohnt. „Wir waren immer die Wahlsieger“, so Jevers ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin zu der Tatsache, dass die Grünen in jeder Wahlperiode einen Sitz im Rat dazu bekamen.

Neben den Eheleuten Glaum und Ingrid Donk wurden gestern noch Silva Harms und Wolfgang Andree für ihre 30-jährige Mitgliedschaft geehrt. Und „weil es die Grünen nicht so mit Orden haben“, steckte Claudia Roth jedem Jubilar eine „Grüne silberne Sonnenblume“ ans Revers. „Ohne die Arbeit der Basis könnte die Partei nicht funktionieren“, lobte die Bundesvorsitzende die Mitglieder. Auch sie wies darauf hin, dass die Grünen anfangs als „Müslis“ und „Birkenstocks“ verspottet wurden. Aber, so Roth: In den nachfolgenden Jahrzehnten „hatten viele Veränderungen einen grünen Anteil“.

Auch im Landkreis Friesland waren die Grünen anfangs die politischen Underdogs. Damals galt laut Gustav Zielke noch der Grundsatz, wonach die Roten und Schwarzen immer Recht hätten. Mittlerweile, so der Kreisvorsitzende, sei die Zusammenarbeit jedoch gut.

Das bestätigte Sven Ambrosy, der – passend zum Anlass – mit einer Sonnenblumen-Krawatte zu dem Festakt erschienen war. Frieslands Landrat brachte als Gastgeschenk nicht nur ein Vogelkirschbaum, sondern auch ein dickes Lob mit. Dank der Grünen, so Ambrosy, sei das Thema Umwelt im Landkreis „kein Geschnacke“ mehr. Er erinnerte an den Grünen-Antrag auf Schaffung eines friesländischen Klimaschutzkonzeptes, der im Kreistag einstimmig verabschiedet worden ist (wir berichteten).

Der stellvertretende Landesvorsitzende Hans-Joachim Janßen verwies auf die Kritik seiner Partei in Sachen Küstenautobahn, Wangerooger Golfplatz und Autohof Zetel und stellte fest: „Die Grünen werden in Friesland weiterhin gebracht.“

Auf musikalische Art ermunterte Thilo Hoppe seine Parteifreunde, den „grünen Weg“ weiterzugehen. Auf einer Charango – einem südamerikanischen Zupfinstrument – spielte der Bundestagsabgeordnete das Lied „Viel Glück und viel Segen…“ und wünschte: „…viel Mut und Gestaltung sei auch mit dabei“.

Mächtig Stimmung kam auf, als Pascal Lieleg den „Ton Steine Scherben“-Klassiker „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ anstimmte. Claudia Roth war bekanntlich zeitweise Managerin der Kult-Band um den Sänger Rio Reiser.

Dass andere Parteien mittlerweile grüne Ideen übernommen haben, ist für die Bundesvorsitzende übrigens kein Problem. In diesem Zusammenhang verriet Sven Ambrosy, dass er seine Sonnenblumen-Krawatte zu seiner Wahl zum Landrat ausgerechnet von einer CDU-Abgeordneten bekommen hat.

 


Claudia Roth (3.v.r.) verteilte kleine grüne silberne Sonnenblumen an Sabine und Reinhold Glaum (v.r.) sowie an Ingrid Donk, Wolfgang Andree und Silva Harms. FOTOS: STUTZ

 

Wünschte den Grünen musikalisch „viel Mut und Gestaltkraft“: Thilo Hoppe.
FOTOS: STUTZ

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